Gäste von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

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Professor Sergei Gorlatsch hielt an der ETU "LETI" Vorlesungen über Parallelprogrammierung.

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Das Programm des Professors aus Deutschland umfasste 8 Vorlesungen über die Architektur moderner Multi-Core-Prozessoren und Parallelprogrammierung. Prof. Sergei Gorlatsch von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster erzählte von seiner Tätigkeit in einem Interview für die Webseite unserer Universität:

- Erzählen Sie uns bitte von der Universität, an der Sie gerade arbeiten. Was sind Ihre wissenschaftlichen und beruflichen Interessen?

- Ich arbeite seit 16 Jahren als Professor und Abteilungsleiter an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Das ist eine der größten Universitäten in Deutschland (mehr als 40000 Studenten), sie befindet sich in der Stadt Münster. Meine wissenschaftlichen und beruflichen Interessen beziehen sich auf Software für Hochleistungsrechnersysteme.

- Sie halten Vorlesungen über Parallelprogrammierung für Studierende der Fakultät für Computertechnologie und Informatik. Welche Bedeutung hat dieser Bereich für zukünftige Fachleute?

- Die Parallelprogrammierung ist eine vielversprechende und gefragte Richtung im Bereich der Softwareentwicklung. Gegenwärtig sind alle modernen Prozessoren - Mehrkernprozessoren. Sogar ein Rechner zu Hause hat mindestens einen 4-Kernprozessor, einige verfügen über 8, 12 oder mehr. Und diese Kerne sollten parallel arbeiten. Für diese modernen Prozessoren braucht man parallel und nicht wie zuvor sequentiell zu programmieren. Außerdem haben heutzutage alle Grafikprozessoren mehr als 1000-2000 kleine Prozessoren in einem Prozessor, die gleichzeitig arbeiten können - aber nur, wenn man ein entsprechendes Programm erstellt. Meine Aufgabe ist, die Studenten zu lehren, wie man solche Programme erstellt. Und das ist gar nicht so leicht! 

- Welche modernen Bildungsansätze benutzen Sie an Ihrer Universität?

- Wir verstehen, dass nicht alle Absolventen unserer Universität die Wissenschaft als Beruf auswählen. Die meisten werden in Unternehmen arbeiten, die Software entwickeln. Daher versuchen wir sicherzustellen, dass die Studierenden während des Unterrichts die wissenschaftlichen Grundlagen mit praktischen Fähigkeiten kombinieren können. Wir organisieren die sogenannten Projektseminare zur Softwareentwicklung, in denen eine Gruppe von 12 Studenten während des Semesters ein ziemlich umfangreiches und komplexes Softwareprojekt entwickelt, während die gesamte Gruppe in Teams von 3-4 Personen aufgeteilt ist - so werden Softwareprodukte heute in unterschiedlichen Unternehmen entwickelt. Während des Semesters zeigen wir, wie man in einem Team und zwischen Teams zusammenarbeitet. Sechs Monate lang arbeiten sie zusammen und stellen am Ausgang ein Softwareprodukt vor, das sie dann verteidigen. Diese ersten Fähigkeiten der Teamarbeit und des Projektmanagements werden ihnen bei der Arbeit im Unternehmen sehr nützlich sein. Wir wenden solche Projektseminare sowohl bei Bachelors als auch bei Magister an, sodass jeder Master-Absolvent zwei Projektseminare hinter sich hat. 

- Wie sehen Sie sich die Aussichten für eine Zusammenarbeit Ihrer Abteilung mit der ETU "LETI" im Bereich Wissenschaft und Bildung?

- Seit einigen Jahren arbeite ich mit dem amtierenden Dekan der Fakultät für Computertechnologie und Informatik der St. Petersburger Elektrotechnischen Universität "LETI" Iwan I. Cholod zusammen. Unsere Forschungsinteressen beziehen sich auf den Begriff Big Data. Derzeit werden große Datenmengen durch verschiedene Kameras und Sensoren bereitgestellt, und diese Mengen müssen effektiv verarbeitet werden, damit eine Wissensentdeckung erfolgt. Mit Iwan I. Cholod haben wir bereits mehrere gemeinsame Artikel verfasst, einen davon habe ich kürzlich auf einer internationalen wissenschaftlichen Konferenz in Almaty vorgestellt. Wir werden unsere Zusammenarbeit in diesem Bereich auf jeden Fall fortsetzen und erweitern.

Sollte sich herausstellen, dass meine Vorlesungen gefragt sind, arbeite ich gerne mit der ETU "LETI" als Lehrer zusammen. Diesmal wurde ich eingeladen, Vorlesungen für ausländische LETI-Studenten zu halten. Daher wird das gesamte Material in englischer Sprache präsentiert. Ich hoffe, dass auch russische Studenten in Zukunft für dieses Thema Interesse zeigen.