Interview mit Herrn Ruud Reutelingsperger

Interview mit Herrn Ruud Reutelingsperger

Jurymitglied des Wettbewerbs "LETI – Future Academic Spaces" teilte seine Vision von Projekten zur Transformation der städtischen Umwelt, zur Entwicklung von St. Petersburg und zur Schaffung interaktiver Räume.

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Herr Ruud Reutelingsperger ist Mitbegründer der Kreativgruppe Observatorium Rotterdam, die öffentliche Räume in den Niederlanden, Belgien, Deutschland, Frankreich, Russland und Großbritannien verändert.

- Mehr als 150 Bewerbungen junger Architekten und Designer wurden für unseren Wettbewerb "LETI – Future Academic Spaces" eingereicht. Bald werden die Projekte bewertet und die Finalisten des Wettbewerbs ermittelt. Nach welchen Kriterien ermitteln Sie den Gewinner? Können Sie den Teilnehmern des Wettbewerbs etwas empfehlen? 

- Was ist mir im Projekt wichtig? Das ist, welche Geschichte es erzählt, wie es die Vergangenheit dieses Ortes widerspiegelt, welche Möglichkeiten das Projekt für dessen Entwicklung schafft. Wie wird es in 20 oder 30 Jahren aussehen? Was gibt es nicht nur den Menschen, sondern auch der Umwelt. Heute haben wir mit dem Klimawandel zu tun und wir brauchen neue Ansätze zum Erhalt des Planeten: recycelbare Baustoffe, Biodiversität, erneuerbare Energie (vom Wasser, Wind und von der Sonne).

- Welche Geschichten erzählen die besten Projekte? Könnten Sie ein Beispiel geben? 

– Ein Beispiel ist das Projekt "Zandwacht" (Sandwache), das vom Observatorium für den Hafenbetrieb Rotterdam verwirklicht wurde. Es handelt sich um eine urbane Skulptur, gewidmet der Schaffung eines neuen Anschwemmlands im Hafen von Rotterdam "Maasvlakte 2". Eine sehr teure Installation, und doch sollte sie innerhalb von 10-20-30 Jahren verschwinden! Die Skulptur wurde so montiert, dass sie allmählich mit Sand bedeckt wird. Dadurch wird sie zu einer natürlichen Düne. Dieses Projekt erzählt, dass sich die Landschaft wie die Kunst ebenso verändert.

- Sie arbeiten an einem Projekt zur Transformation des Raums in St. Petersburg "Sea of ​​Orange". Was halten Sie von den Veränderungen an historischen Gebäuden und Umgebung? Wird die Stadt davon profitieren?

- Ich war mehrmals in St. Petersburg und sehe es heute als eine seltsame, aber potenziell schöne Kombination aus Alt und Neu, Angenehm und Abstoßend, Hell und Grau, wie eine Stadt aus Türen und Toren, in der Denkmäler von der Vergangenheit erzählen und Street Art zum Handeln auffordert. 

Apropos historisches Erbe: Das Zentrum von Rotterdam wurde im Zweiten Weltkrieg komplett zerstört. Nur wenige historische Gebäude sind erhalten geblieben. Die Stadt musste eine neue Identität finden, und heute koexistieren neue Gebäude mit alten. 

Und Städte sind nie vollständig! Im Wesentlichen sind Städte Lebensräume, in denen sich Ideen und Ansichten ändern. Daher ist es wichtig, dass die Veränderungen als Teil der Weiterentwicklung der Stadt begrüßt werden.

- Als Ergebnis des Wettbewerbs erwarten wir, die Nutzer des LETI-Campus, schöne und funktionale Orte für Studium, Veranstaltungen und Erholung. Wie kann man diese Räume ergänzen, damit sie inspirierend und interessant werden?

- Wenn man sich um den Ort kümmert, ihn zum Veranstaltungsraum macht und Gründe für seinen Besuch schafft, erzeugt man den Nutzwert. Das Wichtigste ist der gemeinsame Schöpfungsprozess. Vor Beginn der Projekterstellung sollte man die Nutzer befragen. Dabei sollte man nicht "Was wollen Sie", sondern "Warum wollen Sie es" fragen. Im endgültigen Projekt können und sollten Sie sich auf dieses ursprüngliche "Warum" beziehen.